Die Engel im Islam — Glaube an Malāʾika
Der Glaube an die Malāʾika (Engel) gehört zu den sechs Grundpfeilern des islamischen Īmān und ist damit eine unverhandelbare Säule der islamischen ʿAqīda. Wer die Existenz der Engel leugnet, verlässt den Rahmen des islamischen Glaubens. Die klassischen Gelehrten haben dieses Thema in zahlreichen Werken ausführlich behandelt und dabei die Natur, die Aufgaben und die Rangfolge der Engel beschrieben.
Was sind die Malāʾika?
Die Engel sind Geschöpfe Allahs, die aus Licht erschaffen wurden und ausschließlich Seinen Befehlen gehorchen. Sie unterscheiden sich grundlegend von Menschen und Dschinn: Sie besitzen keinen freien Willen in dem Sinne, dass sie Ungehorsam gegenüber Allah begehen könnten. Im Koran werden sie an mehreren Stellen namentlich erwähnt — insbesondere Jibrīl (Gabriel) und Mīkāʾīl (Michael). Interessant ist dabei, dass einige Gelehrte diese beiden als so herausragende Wesen betrachteten, dass sie den Begriff „Engel" im allgemeinen Sprachgebrauch des Korans mitunter nicht einschließen: „Es wurde gesagt, dass Jibrīl und Mīkāʾīl, da sie die Anführer der Engel waren, nicht unter dem allgemeinen Begriff der Engel mitgemeint waren" 📖 Itqan.
Die namentlich bekannten Erzengel
Die islamische Überlieferungsliteratur nennt mehrere herausragende Engel mit klar definierten Aufgaben:
- Jibrīl (Gabriel): Der Rūḥ al-Amīn, der Treuhänder des Geistes. Er ist der Vermittler der göttlichen Offenbarung zwischen Allah und Seinen Propheten 🌐 binbaz. Er nimmt in der Rangfolge eine Führungsposition ein — Überlieferungen zufolge war er der Erste, der vor Ādam niederfiel 📖 Mawahib Laduniyya.
- Mīkāʾīl (Michael): Laut Fatwa von Scheich Ibn Bāz ist er der Engel, der für al-Qaṭr (den Regen) und die Versorgung der Schöpfung mit Wasser zuständig ist 🌐 binbaz. Er steht im Rang direkt neben Jibrīl.
- Isrāfīl: Ihm obliegt das Blasen ins Ṣūr (Posaune) am Ende der Zeit. In einer Überlieferung heißt es, dass nach Jibrīl und Mīkāʾīl Isrāfīl der nächste in der Rangfolge der Engel sei 📖 Talkhis Mutashabih.
- Malak al-Mawt (Todesengel, auch ʿAzrāʾīl genannt): Er ist für die Entgegennahme der Seelen beim Tod verantwortlich.
Die Aufgaben der Engel: Vermittler des göttlichen Wissens
Ein zentrales Thema in der islamischen Überlieferungsliteratur ist die Wissensvermittlungskette von Allah bis zu den Propheten. In mehreren Überlieferungen — wenngleich einige davon von Hadith-Gelehrten kritisch bewertet werden 📖 Laali Masnuʿa — wird eine Kette beschrieben, in der Allah Sein Wissen auf der Lawḥ al-Maḥfūẓ (der bewahrten Tafel) niederschreibt, von wo es an Isrāfīl weitergegeben wird, dieser gibt es an Mīkāʾīl weiter, und Mīkāʾīl trägt es Jibrīl vor, der es schließlich dem Propheten überbringt 📖 Kharidat ʿAjaib. Diese Kette verdeutlicht die strenge Hierarchie unter den Engeln sowie die Tatsache, dass göttliches Wissen geordnet und gestuft weitergegeben wird.
Das Gebet und die Anrufung Allahs schließen diese Engel explizit ein: „O Allah, Herr des Jibrīl, des Mīkāʾīl und des Isrāfīl" — eine Formel, die der Prophet ﷺ im Gebet verwendete und die im Ṭabarānī mit einer bestimmten Reihenfolge überliefert ist 📖 Tuhfat Abrar.
Engel als Zeugen und Begleiter der Propheten
Die Überlieferungen schildern eindrücklich, wie die großen Engel beim Propheten Muḥammad ﷺ präsent waren. So wird berichtet, dass Jibrīl, Isrāfīl und Mīkāʾīl bei besonderen Ereignissen physisch anwesend waren und jeweils spezifische Aufgaben übernahmen 📖 Madīnat al-Maʿājiz. Auch in der Endzeit, kurz vor dem Yawm al-Qiyāma, spielen sie eine Rolle: Jibrīl soll mit zweihunderttausend Engeln herabsteigen und Mīkāʾīl auffordern, den gläubigen Dienern Allahs beizustehen 📖 Ishaʿa.
Fazit
Der Glaube an die Malāʾika ist im Islam vielschichtig und tiefgründig. Die klassische ʿAqīda verlangt nicht nur die pauschale Anerkennung ihrer Existenz, sondern auch das Wissen um diejenigen Engel, die namentlich im Koran oder in authentischen Überlieferungen genannt werden. Jibrīl, Mīkāʾīl und Isrāfīl nehmen dabei die höchsten Ränge ein — als Übermittler der Offenbarung, Verwalter der Versorgung und Hüter des kosmischen Ordnungsprinzips. Ihre Aufgaben, ihre Hierarchie und ihre Nähe zu Allah und Seinen Propheten verdeutlichen, dass die Engelswelt im islamischen Glauben kein randständiges Thema ist, sondern ein integraler Bestandteil des Tawḥīd — der Lehre von der Einheit und Souveränität Allahs über Seine gesamte Schöpfung.